Balkone aus der Kunstschmiede des Jugendstils
In der Straße, in der ich wohne, gibt es ein außergewöhnliches Gebäude. Es ist ein altes, vor dem Zweiten Weltkrieg erbautest Mietshaus, das eigentlich schon vor einigen Jahren renoviert werden sollte. Auf den ersten Blick sieht man nichts besonderes an den alten zerbröckelnden Mauern, erst der zweite Blick ermöglicht dem Beobachter, das Wunderschöne dieses Hauses zu erfassen. Man muss nur genau zuschauen, um die kunstvolle Fassade richtig einzuschätzen. Unter der Schicht von Schmutz und Graffitis verbirgt sich das wahre Gesicht des Hauses, das dank entsprechenden Konservierungsgriffen wieder ans Tageslicht gebracht werden kann, um vielleicht eine Perle der Straße, ja sogar der Stadt zu werden. Über dem Eingang befindet sich ein Giebeldreieck, in dem ein Engel auf die Gäste und Einwohner ein Auge wirft. Die Fenster im ersten Stock sind mit Gittern geschützt, die aus einer Kunstschmiede stammten. Darüber verläuft ein buntes Fries, das die Frontfassade in drei Etagen einteilt. Besonders beachtenswert sind aber die im Jugendstil gefertigte Balkone, die aus der gleichen Kunstschmiede wie die Gittern aus den Fenstern entsprungen sind. Es ist wohl wahr, dass man erst mit dem Herzen schauen sollte, bevor man etwas beurteilt.